Samstag, 17. Juni 2006
weitere Indien-Berichte
Nachdem ich gestern aufgrund grosser Uebermuedung (Wachdienst im Zug nach Varanassi) und einer fuer Indien typischen Magenverstimmung kein Internet Cafe aufgesucht habe, setze ich meine Berichterstattung erst heute fort. Vermute, dass ich erst in Hong Kong, wo ich wieder mehr Zeit haben werde (die ganze Woche am selben Ort - keine langen Fahrzeiten, Sightseeing kann auf mehrere Tage aufgeteilt werden), schaffen werde, das Tagebuch bis komplett bis zum jeweils aktuellem Datum zu fuehren.

3.6.2006

Heute frueh losgefahren und mit unserer Tour durch Rajastan begonnen. Innerhalb von 10 min hat Caro den Fahrer schamlos angebraten: "Are you married? Do you miss your wife?" Nur der Umstand, dass der Dachgepaecktraeger kaputt war, und Caro so durch den auf ihrem Schoss stehenden Rucksack "an den Sitz gefesselt war", rettete den armen Inder vor koerperlichen Uebergriffen Caros. Der sichtlich verstoerte Fahrer war die naechsten h auffaellig ruhig.

Caro haette mal lieber ein paar h gewartet, da trafen wir naemlich auf dankbarere Opfer. Sind in einem kleinen Dorf stehen geblieben, um einen Dachgepaecktraeger zu kaufen (Caro hatte sich zwischenzeitlich etwas beruhigt, so dass sich der Fahrer in Sicherheit wiegte). Sofort bildeten sich rund um unser Auto, ein paar Meter vor unserem Auto und auf einem Balkon auf der gegenueberliegenden Strassenseite Menschentrauben aus maennlichen Indern. Auch aus allen Geschaeften, allen vorbei fahrenden Fahrzeugen und von allen vorbei gehenden wurden wir angestarrt. Diese Reaktion erstaunte sogar Caro, und hielt sie von weiteren Flirtversuchen ab.

Mir ist schon klar, dass wir vier natuelich total super und huebsch sind :-) aber kann echt nicht nachvollziehen, warum vier weisse Maedels gar so interessant sind. Die Inderinnen sind ja auch recht huebsch, v.a. wenn man bedenkt, wie unhuebsch die maennlichen, zu 90 % Schnauzbaerte tragenden, Inder sind...

Die Kinder stehen tatsaechlich auf Kulis (konnten's ja bis zuletzt kaum glauben), anfangs kamen wir uns beim Verteilen der Werbekulis ja schon komisch vor, die kids freuen sich aber echt darueber.

Abend nach dem Besuch des Havelis eines Opiumhaendlers (die werden dort in alten Zeiten wohl recht arge Parties gefeiert haben), das erste Mal richtig gehandelt - eine Oellampe von 500 auf 300 Rupien runtergehandelt.

Das Hotel in dem wir geschlafen haben, ist auch ein ehemaliges Havelis (Haveli heisst "Haus, durch das der Wind weht" - wichtig im heissen Indien, und kann man sich als Stadt Palais reicher Buerger vorstellen). Haben sehr romantisch im Hof unter dem Sternenhimmel zu Abend gegessen.

Dann noch Uno gespielt, habe dabei eine neue Taktik entwickelt: einfach so lange spielen, bis die anderen uebermuedet sind. Funktioniert, habe hintereinander die beiden letzten Partien gewonnen. Hatten sehr viel Spass, Ina wollte z.B. Mal die Farbe "blau gelb" waehlen. Wir hatten echt schon Bauchweh vor Lachen.

4.6.2006

Weiterfahrt nach Bikaner. Lange heisse Fahrt mit dem Auto. Lustig aber, dass Ina (das Steierer-Maedel) und Nicole (die ihre Sommer jahrelang bei ihrer Oma auf dem Land verbracht hat) die Schafe und Ziegen am Wegesrand nicht voneinander unterscheiden konnten. In Indien gibt es den Beruf des Hirten wirklich, man sieht viele Jungen und Maenner mit ihren Tieren umherziehen.

Sind erst am spaeteren Nachmittag angekommen und dann durch das Rote Fort "gehetzt" worden, war nicht so prickelnd. Wurden das erste Mal nicht nur angestarrt, sondern auch fotografiert. Inder haben sich auch gemeinsam mit uns fotografieren lassen. Auch als wir anschliessend im Museumscafe was trinken waren, wurden wir von allen angestarrt und fotografiert (kein unbeobachteter Moment um das wirklich eklige Zitronen-Wasser ins Gras zu schuetten).

Haben abends noch zwei alte Palaeste (heute Hotels) besichtigt. Innen im typischen Kolonialstil eingerichtet und voll von Jagdtrophaen - habe noch nie so viele tote Tiere an einer Wand haengen sehen. Man konnte sich vorstellen, dass hier ein Agatha-Christie-Krime spielen koennte.

5.6.2006

Waren wieder recht lange mit dem Auto unterwegs (bei der Hitze trotz Klimaanlage recht anstrengend) um nach Khuri in der Wueste Thar zu fahren. Am Weg dorthin wurde Caro vom Verkaeufer des stark ueberteuerten Souvenirshops eines Restaurants (ich betrete solche Laeden erst gar nicht, aber Caro ist halt sehr hoeflich und kann nicht nein sagen) auf sehr eigenartige Weise angebraten. Er zeigte ihr Seiten aus einem "Kamasutra-Buch", auf denen entweder eine weisse Frau mit einem Inder schlief oder sich ein Mann oder eine Frau gerade mit einem Hund vergnuegt! (im echten Kamasutra kommt meines Wissens nach ja keine Sodomie vor, wuerde mich zumindest sehr wundern). Ina konnte sich nur mit den Worten: "Ich bin nicht verheiratet, ich darf solche Bilder nicht sehen," retten.

Die Wueste Thar war dafuer total beeindruckend. Klingt jetzt bloed, aber habe noch nie so klassisch sandfarbenen Sand gesehen. Sand fuehlt sich auch toll an, sind blossfuessig die Sandduenen runtergelaufen (und raufgekrochen). Sind touri-like mit Kamaelen in die Wueste geritten, war aber schoen. Auch spannend mit den Kamel-Fuehrern zu sprechen: Die meisten Leuto dort koennen weder Lesen noch Schreiben, koennen sich daher keinen Job in der Stadt suchen und sind daher vollkommen von ihren Tieren abhaengig. Der Monsum war seit zwei Jahren nicht mehr dort. Am Tag bevor wir da waren, hat es allerdings geregnet, die Leute haen sich so gefreut, dass sie im Regen getanzt haben. Der Kamel-Fuehrer meinte auch, dass "people who can read" erzaelt haben, dass der Monsum heuer wieder kommen wird. "The local people" glauben dass auch, sie schliessen das aus dem Vogelflug etc.

Herbe Enttaeuschung fuer Ina, nachdem sie seit einigen Tagen das Kamel zu ihrem neuen Lieblinstier erkoren hat. Fuer den Kamelritt suchte sie sich extra ihren Liebling (das juengste Tier) aus. Sie hat das arme Tier mit ihrer ungebremsten Leidenschaft wohl etwas ueberfordert. Ihr Kamel war das Einzige, dass wuetend schnaubte als seine Reiterin es am Kopf streicheln wollte. Wer weiss, was vorgefallen ist, als Ina mit ihrem Kamel kutz zurueck blieb... - Nur die Wueste war Zeuge. Das Kamel duerfte aber Gott sei Dank ueber natuerliche Instinkte verfuegen, die es vor uebertriebener Tierliebe schuetzen.

Bei den Kamelen handelt es sich eigentlich um Dromedare, Kamele gibt es nur in der Sahara und in der Wueste Gobi. Aber Kamele klingen halt werbewirksamer als Dromedare, deshalb laeuft auch hier in der Wueste Thar alles unter dem Namen Kamel-Tour. Versuchte Ina zu troesten, in dem ich meinte, dass ein "echtes Kamel" ihre Liebe wohl besser wertschaetzen wuerde.

Nicoles Kamel-Fuehrer, ein ca. 10-jaehriger Junge, war ganz begeistert von ihr. Setzte sich beim Rueckweg zu ihr auf das Kamel, anstatt es vom Boden aus zu fuehren. Am meisten freute uns aber der Spitzname "Pinky", den er ihr gab.

Nach dem Dinner (Nicole, Caro und ich haben uns zum Essen Radler gemixt, machen wir seither fast jeden Tag) im Resort sind wir mit dem Kamel-Wagen in die Wueste gefahren, um dort zu schlafen. Haben uns im Spass ueberlegt, weche Taktik wir, waeren wir in der Wueste "ausgesetzt", anwenden wuerden, um wieder zurueck zu finden. Der Fahrer des Kamel/Wagens schlief aber eh nur ein paar Meter von uns entfernt.

Nachts gibt es in der Wueste irrsinnig viele Mistkaefer, endlich Biene Majas Freunde live gesehen. Haben vor dem Schlafengehen noch Schlager wie "Cafe Oriental", "Es lebe der Sport", "Schuld war nur der Bossa Nova", "Sehnsucht nach Florenz" und zum Abschluss alle gemeinsam "I am from Austria" gesungen. Kann nur wieder mal betonen, wie extrem (unfreiwillig) lustig Schlagertexte sind. Na gut, die anderen in der Naehe schlafenden Touristen haben das vielleicht etwas anders empfunden.

Die Wueste ist auch nachts sehr schoen, habe noch nie an einem so romantischen Ort geschlafen, und das mit drei Freundinnen (na super)... Die Wueste ist in der Nacht weniger kalt als sehr windig, erst so ab 3:00 wurde es durch den staendigen Wind recht kuehl. Der Sternenhimmel war allerdings spektakulaer. Wegen des sehr starken Winds konnten wir alle aber nur sehr wenig und schlecht schlafen.

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Links

Inas Blog
Caros und Nicoles Blog